Aktionsbündnis Erhalt der Donauinseln e. V.

Inseln statt Mauern.

Regensburgs
grüne Inseln
in Gefahr!

Hochwasserschutz für die Regensburger Donauinseln
mit Augenmaß, nicht mit Maximalbau.

Luftaufnahme der Regensburger Donauinseln Oberer und Unterer Wöhrd: bewaldete Inseln zwischen Donauarmen, im Hintergrund die Steinerne Brücke und die Altstadt mit Stadtamhof.

Was geplant ist.

Gigantomanie und
technokratischer Größenwahn ohne Garantie.

Die derzeitigen Pläne zum Hochwasserschutz gefährden die Donauinseln. Sie werden sich mindestens jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang durch die Inseln graben, zahlreiche stattliche Bäume zu Fall bringen, Pumpstationen, Drainagesysteme und Stromtrassen legen, Schutzmauern hochziehen und bis zu 20 Meter tief in den Boden rammen. Sie versuchen tatsächlich die Inseln einzumauern! Erst den Unteren Wöhrd, dann den Oberen Wöhrd und zuletzt Stadtamhof. Um das Wasser zu bändigen, werden Flächen verdichtet und Mauern gebaut auf ohnehin dicht bebautem städtischem Gebiet. So zerstört man, was man zu schützen vorgibt.

Bei alldem gibt es keine Funktionsgarantien für eine derartige Operation am offenen Inselherzen, keine verlässliche Abschätzung der Technikfolgen. Die langfristigen Auswirkungen auf die Natur und den Gebäudebestand sind letztlich unkalkulierbar. Noch an keinem anderen Ort ist versucht worden, eine Flussinsel derart einzumauern und wie Festland hochwasserfrei zu legen. Hier wird ein landschaftlich einmaliges Areal zum Versuchslabor gemacht, ihre Bewohner und Besucher werden zu Versuchskaninchen.

  • bis zu 20 m tief

    unter Gelände wird die Insel eingemauert.

  • 55 Mio. €

    für einen einzigen Abschnitt
    „genauso viel wie alles, was wir bisher umgesetzt haben", so der Vorhabensträger. Diese Zahl entspringt veralteten Planungen und die 55 Mio. werden vermutlich niemals reichen.

  • 0 Vorbilder

    keine bewohnte Flussinsel wurde je so abgedichtet.

  • 127 Bäume
    mindestens

    werden nach bisherigen Planungen gefällt. Neupflanzungen ersetzen sie auf Jahrzehnte nicht — nicht den Schatten, nicht den Lebensraum.

  • 5 Jahre
    mindestens

    „angestrebte" Bauzeit — nach bisherigen Erfahrungen mit solchen Großprojekten ist eine deutlich längere Bauzeit zu befürchten.

Was auf dem Spiel steht.

Vier Verluste,
die nicht umkehrbar wären.

KI-Visualisierung: Großes Bohrgerät und Reihen frisch gefällter Baumstümpfe am gepflasterten Donauufer in Regensburg; im Hintergrund Dom und Altstadtsilhouette.
KI-Visualisierung

Naherholung & Stadtnatur

Eine Decke unter ehrwürdigen Bäumen. Ein Spaziergang entlang der Donauauen. Ein Hund, der ins Wasser springt. Im Sommer Familien am Ufer und ein Studentenpaar mit Bier und Buch. Kein Eintritt, keine Anreise — erreichbar zu Fuß, offen für alle.

Fünf Jahre Baustelle — mindestens. Um die Donauinsel abzudichten und einzumauern, werden mit raumgreifenden Maschinen Betonbohrpfähle bis zu 20 Meter in den Boden gerammt oder gefräst — planierte Trassen, tiefe Fahrrillen, wüste Flächen, betonierte Mauern statt lebendiger grüner Uferzonen. Die Ersatzpflanzungen — zuhauf andernorts — brauchen Jahrzehnte, um wieder so Schatten zu spenden.

Bewachsene Donauinsel beim Wöhrd in Regensburg mit Kiesbank, dichtem Uferbewuchs und alten Bäumen unter sommerlich blauem Himmel.

Klima & Hitzeresilienz

Im Sommer, wenn die Stadt aufheizt, sind die Inseln spürbar kühler. Wer vom Domplatz zu den Wöhrden geht, merkt es ohne Thermometer. Eine grüne, kühlende Lunge mitten im Welterbe.

Mauern, Trassen, Schaltgebäude und Trafostationen versiegeln, was bisher Wasser speichert und Hitze dämpft — und widersprechen damit dem eigenen „Regensburg-Plan 2040", der Entsiegelung als Stadtziel formuliert. Jeder gefällte Baum mindert die Hitzeresilienz und CO₂-Bilanz.

Eisvogel mit kleinem Fisch im Schnabel auf einem moosbewachsenen Ast an den Donauauen in Regensburg.

Bäume & Lebensraum

Die Kastanienallee an der Straße zum Beschlächt: im Frühjahr ein weißes Dach, im Sommer Schatten, im Herbst Kastanien für die Kinder. Die geschlängelte Platanenallee am Oberen Wöhrd. An den Donauauen nistet der Eisvogel; in manchen Stämmen leben xylobionte Käfer, deren Namen kaum jemand kennt — und die das Bayerische Naturschutzrecht trotzdem schützt.

Mindestens 127 stattliche Bäume sollen dem Plan zum Opfer fallen — dazu unzählige Sträucher und Kleingewächse. Davon 37 nach Baumschutzordnung geschützte Bäume — mindestens — denn das städtische Baumkataster ist nachweislich fehlerhaft. Als Ersatz: junge, dürre Setzlinge. Was an einem Tag fällt, braucht Jahrzehnte, bis es wieder Schatten spendet — und Generationen, bis es wieder Habitat ist.

Lange, hüfthohe Hochwasserschutzmauer aus Beton mit Stahl-Schiebetor an der Donau; davor aufgewühlte Schotterfläche, dahinter kahle Bäume unter grauem Himmel.

Weltkulturerbe & Stadtbild

Vom Altstadtufer hinüber gesehen, neben dem Beschlächt: die Silhouette der Wöhrde, das Gerüst alter Kastanien. Das Magazin GEO hat es einmal so formuliert: nirgendwo sonst sei „die Zeit so konsequent stehen geblieben. Die Rede ist von den Donauinseln Oberer Wöhrd und Unterer Wöhrd, die unter dem Vorstadt-Eiland und Unesco-Weltkulturerbe Stadtamhof liegen." Diese Sichtachse gehört seit Jahrhunderten zum Weltkulturerbe.

Das Vorhaben liegt in der Kernzone des UNESCO-Weltkulturerbes „Altstadt mit Stadtamhof". Sichtbare Mauern und Dammaufschüttungen verändern sie dauerhaft. Mit den Bohrungen und Erschütterungen nahe der Häuser sind unabsehbare Folgen für die Bausubstanz verbunden, von der Schädigung des ästhetischen Eindrucks in Sichtweite der berühmten Steinernen Brücke abgesehen.

Die Planer selbst empfehlen die Durchführung eines „Beweissicherungsverfahrens".

Es geht um das Grün in unseren Städten, um das letzte Grün zwischen den Häusern und Straßen, um die letzten Reste von offenen, unverbauten Boden. Was ist das wert? Ein Stück Wiese, der Schatten alter Bäume, ein wenig freier Horizont inmitten einer Großstadt. […] Was ist das wert, ein Baum in der Stadt? Und was sind dann die grünen Inseln wert in einer Stadt, die mit Grün total unterversorgt ist?
Dieter Wieland — Die Regensburger Donauinseln, S. 1, 13 f.
Lageplan Unterer Wöhrd mit eingezeichneter Schutzlinie: unterirdische Untergrundabdichtung (bis 20 m tief), oberirdische Mauer (bis 3 m hoch) bzw. Objektschutz und mobile Elemente.

Es geht um das WIE,
nicht um das OB.

Großes oranges Drehbohrgerät Bauer BG22 auf einer Baustelle, daneben Bewehrungsstahl im aufgewühlten Erdreich — schweres Gerät, das tiefe Bohrpfähle in den Boden setzt.
Massive Hochwasserschutzmauer aus grobem Waschbeton, die den Blick auf den Fluss und die dahinterliegende Auenlandschaft fast vollständig abriegelt; oben ragen Frühlingsbäume mit weißer Blüte und frischem Grün hervor, davor ein Streifen nackter Erde unter grauem Himmel.
Gelber CAT-Kettenbagger auf Schotterhaufen neben einer fertiggestellten Hochwasserschutzmauer aus Beton; im Hintergrund Wohnhäuser am Ortsrand.
Großer Erdaushub-Haufen aus dunkler Erde auf einer Baustelle, daneben planierte Fahrspuren; dahinter kahle, frühlingshafte Bäume unter bewölktem Himmel.

Was am Plan nicht stimmt.

Neun Punkte, an denen
der Plan nicht trägt.

Hochwasserschutz ist nötig, zumal in Zeiten des Klimawandels. Aber das Donautal in Regensburg ist nicht das Ahrtal. Wir haben die Planunterlagen durchgearbeitet — neun Punkte, an denen der Plan nicht trägt.

„purer Größenwahn“
— Dieter Wieland, Filmemacher

Schon die Prämisse stimmt nicht. Nicht der Bedarf bestimmt über HW100, sondern die Förderung.

Warum nicht eine kleinere Variante? Der bayerische Bemessungsstandard ist HW100 — alles darunter müsste die Stadt allein finanzieren. Das Förderregime entscheidet damit nicht nur über die Höhe, sondern verengt auch die Alternativenprüfung: Varianten außerhalb dieses Rasters werden im Planverfahren gar nicht erst ernsthaft durchgerechnet. Mehr in der FAQ .

Sohlental, nicht Kerbtal. 48 Stunden Vorwarnzeit.

Die Planung begründet massive und irreversible Eingriffe mit „Gefahr für Leib und Leben“. Die Gefahrenlage birgt diese Dringlichkeit aber nicht in dieser Form: Das Donautal in Regensburg ist breites Sohlental, nicht ein Kerbtal wie das Ahrtal. Die Planer zitieren in ihren eigenen Unterlagen eine Vorwarnzeit von ca. 48 Stunden — eine hydrologische Eigenschaft der Lage. Sie führen diese Zeit an, um zu zeigen, dass ihre Mobil-Element-Strategie funktioniert. Dieselbe Vorwarnzeit reicht für Objektschutz und geordnete Evakuierung — ohne Einmauerung. Und auch mit fertigem Hochwasserschutz sieht der Plan Evakuierungen ab HW50 vor.

Eine höhere Mauer hebt die Schadensschwelle. Das stimmt. Aber Objektschutz pro Gebäude — abgestuft nach Lage und Bausubstanz — leistet vergleichbares. Ohne mindestens 55 Millionen Euro, ohne mindestens 127 gefällte Bäume, ohne mindestens fünf Jahre Bauphase.

Varianten genannt, nicht verglichen.

Das Gesetz verlangt ergebnisoffene Alternativenprüfung (UVPG, WHG, VwVfG) — gerade bei Eingriffen in Schutzgüter wie UNESCO-Weltkulturerbe, Naturschutz und Grundwasser. Der Plan liefert keine. Varianten erscheinen in den Unterlagen nur, um die eigene Entscheidung zu begründen und zu rechtfertigen, nicht, um sie zu vergleichen.

Der deutlichste Beleg steht in den Plänen selbst: Objektschutz ist bereits Teil des Plans — aber nur dort, wo er ohnehin schon vorhanden ist. Auf der Nordseite integrieren die Planer den privaten Objektschutz der HW100-pflichtigen Neubauten in ihre Schutzlinie; Lücken werden ergänzt. Für die Altbauten der Südseite — ohne diese Auflage — wurde ein entsprechendes Konzept nicht entwickelt. Dabei sind mobile Dammbalken, Rückstausicherung und Dichtschottungen an Baudenkmalen bundesweit geübte Praxis.

Was nicht geprüft wurde, kann auch nicht abgewogen werden. Das ist kein Detail, sondern ein Verfahrensmangel.

Eine bewohnte Flussinsel als Versuchslabor.

Kein einziger Präzedenzfall weltweit: die Einmauerung einer bewohnten Flussinsel mit U-förmiger Untergrundabdichtung in bis zu 20 Meter Tiefe — in einer historischen Stadtkernzone. Selbst das Bauverfahren steht noch nicht fest — vier sind in der Auswahl, entschieden wird erst nach der Genehmigung in der sogenannten Ausführungsplanung.

Die Planer räumen eine Restunsicherheit ein: Ein „Spalt“ (siehe Neue Risiken durch die Maßnahme selbst ) unter der Untergrundabdichtung verbleibt — planungsseitig akzeptiert. Eine einmalige Stadtlandschaft wird zum Versuchslabor — und ihre Bewohner und Bewohnerinnen zu Versuchskaninchen.

Maximalschutz behaupten, beim Klima sparen.

Die Planer behaupten maximale Schutzpflicht — und verzichten gleichzeitig bewusst auf den im Allgemeinen üblichen 15 %-Klimazuschlag auf HW100, mit der Begründung praktischer Erwägungen. Das ist ein doppelter Widerspruch: Entweder ist der Klimawandel das Hauptargument für die Dringlichkeit — dann wäre der Plan nach eigener Rechnung schon ab Tag eins unterdimensioniert. Oder Verhältnismäßigkeit zählt — dann müssten Alternativen wie Objektschutz ernsthaft geprüft werden. Beides zusammen geht nicht.

Art. 44 Abs. 2 BayWG schreibt vor, dass die „Auswirkungen der Klimaänderung angemessen zu berücksichtigen“ sind. Praktische Erwägungen heben diese Pflicht nicht auf.

Schutz, der schadet und zerstört.

Der Plan erzeugt Risiken, die es ohne ihn nicht gäbe — und die Planer benennen das selbst. Der Erläuterungsbericht hält wörtlich fest: „Damit könnten bei Starkregenereignissen Schäden entstehen, die ohne HWS-Maßnahmen nicht eintreten würden.“ Für Bau und Betrieb der Untergrundabdichtung werden mehrere „Beweissicherungsverfahren“ angeordnet — für Erschütterungen am Gebäudebestand und für Grundwasserveränderungen.

Ein Spalt von 10 Zentimetern — planungsseitig akzeptiert.

Selbst die Planer räumen ein: Unter der Abdichtung bleibt ein „Spalt“ von durchschnittlich 0,1 m, durch den dauerhaft Grundwasser strömt. Das Suffosionsgutachten nennt Setzungen der Nachbargebäude als offene Frage — und erklärt die Standsicherheit am Ende pauschal für „gewährleistet“. Eine Einzelberechnung pro historischem Haus sucht man in den Unterlagen vergeblich. Pauschale Unbedenklichkeit ersetzt keine Einzelberechnung.

Wer Beweissicherung anordnet, gesteht damit ein, dass es Schäden zu beweisen geben könnte. Eine objektbezogene Risikobewertung pro historischem Gebäude im Einflussbereich der Untergrundabdichtung ist nicht vorgesehen. Wer Hochwasserschutz baut, muss sagen, welche neuen Risiken er dafür einkauft — und wer dafür haftet.

Mindestens 55 Mio. für einen Abschnitt. Mehr als zehn fertige Abschnitte zusammen.

So steht es in der eigenen Beschlussvorlage der Stadt Regensburg vom 03.12.2024. Und „Baupreissteigerungen sind noch nicht eingerechnet“ — so der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts im Stadtrat am 14.04.2026. Eine einzige Baustelle am Unteren Wöhrd kostet damit mehr als alle zehn bisher fertiggestellten Hochwasserschutz-Abschnitte zusammen (rund 34,4 Mio.) „kostenmäßig wie planerisch eigentlich genauso viel wie alles, was wir bisher umgesetzt haben“ , so der Vorhabensträger selbst im Stadtrat. Dabei entspringen die 55 Mio. veralteten Planungen und Kalkulationen. Viele vergleichbare Großprojekte legen die Gefahr von Kostenexplosionen nahe.

Und wofür? Um Schäden zu verhindern, die der Vorhabensträger selbst auf 50 bis 75 Millionen über hundert Jahre schätzt. Mindestens 55 Millionen heute, gegen 50 bis 75 Millionen in hundert Jahren. Eine Rechnung, die sich selbst entlarvt.

Und der Betrieb danach? Noch nicht gerechnet.

Vier Pumpwerke, Drainagen, Mauern, mobile Elemente — ein System, das es in dieser Form nirgendwo sonst gibt. Was der laufende Unterhalt am Ende kostet? „Erst im Zuge der Ausführungsplanung klar“, so der Vorhabensträger im Stadtrat. Genehmigt werden soll jetzt, gerechnet wird später. Die Stadt soll ein System übernehmen, dessen Betriebskosten noch niemand kennt. Betrieb und Unterhalt gehen an die Stadt — Regelungen für Mehrkosten: offen.

Abschnitt H ist einer von 18. Was hier entschieden wird, prägt den ganzen Korridor.

Abschnitt H ist einer von 18 Bauabschnitten im Gesamtprogramm Hochwasserschutz Regensburg. Direkt im Anschluss folgen Abschnitt I Oberer Wöhrd mit weiteren ca. 46 Mio. € (erst Detailplanung) und Abschnitt G Stadtamhof mit ca. 9,1 Mio. € (Wettbewerbsplanung). Der zusammenhängende Donau-Korridor um die Inseln summiert sich damit auf über 110 Mio. €, was freilich nur sehr vorläufige Kostenkalkulationen sind. Es ist zu vermuten, dass die Kosten deutlich höher liegen werden.

Die Schätzungen für den Oberen Wöhrd und Stadtamhof stammen aus früheren Planungsphasen. Am Unteren Wöhrd zeigt sich, wie weit die Kosten in der finalen Phase steigen können. Wer dem Plan für den Unteren Wöhrd zustimmt, etabliert ein Modell, das diesen ganzen Korridor prägen wird — die Dimensionierung wurde nie im Gesamtkontext hinterfragt. Einen transparenten Gesamtplan für alle Donauinseln zusammen gibt es nicht. Wer jetzt nicht hinschaut, schaut auch beim nächsten Abschnitt nicht hin.

Wesentliches auf später verschoben.

Wesentliches mit erheblichen Folgekosten und Risiken ist auf die spätere Ausführungsplanung verschoben: das Bauverfahren der Untergrundabdichtung , das Injektionsverfahren im Mühlenviertel , die „bauzeitlichen Einschränkungen“ für die Anwohner . Eine Genehmigung wird auf Grundlage von Unterlagen erteilt, in denen Wesentliches noch unbekannt ist. Spätere Mehrkosten und Risiken landen damit beim Bauherrn — also bei der Stadt, also bei den Bürgern und Bürgerinnen, Steuerzahlern und Steuerzahlerinnen.

Und die Bilder? Beschönigend und irreführend.

Die Planungen zeichnen die Realität, wie es ihnen gefällt. Das führt bewusst in die Irre. Die Visualisierungen sind manipulativ, weil sie suggerieren, es passiere nichts und nachher wird es genauso wie davor. Abgesehen davon, dass wir das nicht mehr erleben werden, verzerrt es die Wirklichkeit des Eingriffs.

Bei aller vorgesehenen Landschaftsmodellierung mit Terrassen und grünen Balkonen bringt das niemand besser zustande als die Natur selbst.

Und das Vogelschutzgebiet? Nicht geprüft.

Geprüft wird genau ein Gebiet — das FFH-Gebiet DE6741371 nördlich der Insel. Das angrenzende Vogelschutzgebiet (SPA) DE7040471 „Donau zwischen Regensburg und Straubing“ , das direkt unterhalb des Odessarings beginnt, taucht im FFH-Formblatt schlicht nicht auf. Dabei sind dort Nachtreiher und Eisvogel als Schutzgüter geführt — Arten, von denen die UVS selbst notiert, sie nutzten „die Ufergehölze … regelmäßig zur Nahrungssuche“. Genau diese Ufergehölze werden gefällt. Was hier fehlt, ist keine Formalie: eine FFH-Verträglichkeitsprüfung für ein SPA-Gebiet ist europäisches Recht.

Und die Datengrundlage? Selbst veraltet.

Die faunistische Grundlagenerhebung stammt aus 2015, die Fischfauna-Daten reichen bis 2008 zurück. In der naturschutzrechtlichen Rechtsprechungspraxis ist eine Fünf-Jahres-Faustformel für die Aktualität solcher Kartierungen üblich und vom Bundesverwaltungsgericht akzeptiert. Der Plan überschreitet sie — teils um das Doppelte und Dreifache. Genehmigt werden soll auf Grundlage von Daten, die fachlich als überholt gelten.

Und der Bürger? Bekommt 1,59 Gigabyte.

179 Dateien. 1,59 Gigabyte Planunterlagen. Wer das als Laie in der gesetzten Frist ernsthaft prüfen kann, melde sich. Transparenz und bürgerschaftliche Partizipation sehen anders aus!

Schweres Gerät auf der Insel. Lärm, Erschütterungen, Zugangsbeschränkungen.

Die offizielle Schätzung lautet mindestens 5 Jahre Gesamtbauzeit, allein für diesen einen Abschnitt. Die schwersten Planabschnitte (PA 4, 6, 7) sind im Erläuterungsbericht mit jeweils ca. 4 bis 5 Jahren angesetzt — die Summe der Einzelbauzeiten erreicht 19,5 Jahre, ohne abgeschlossene Bauablaufplanung. Während dieser Zeit: schweres Gerät auf der Insel, Lärm, Erschütterungen, Zugangsbeschränkungen. Was leise war, wird laut. Und bleibt verändert, zerstört, irreversibel. Wir werden den Unteren Wöhrd nach der Baumaßnahme so nicht mehr wiedererkennen.

Naturraum in der Stadt? Jeder dieser Eingriffe für sich allein, wäre schon Kaliber genug, um die durch die Jahrhunderte so glücklich bewahrte Einzigartigkeit der Wöhrde zu zerschlagen. […] Mit den baulichen Eingriffen am Donauufer und auf den Donauinseln irreparable Schäden anzurichten.
Dieter Wieland — Die Regensburger Donauinseln, S. 3, 14
Graureiher im Porträt am Donauufer in Regensburg, mit aufgestellten Kopffedern vor unscharfem Wasser- und Pflanzenhintergrund.
Grünspecht und Buntspecht zusammen auf einem abgestorbenen Astgerüst an den Donauinseln in Regensburg.
Hausrotschwanz füttert seinen bettelnden Jungvogel mit einer Beute zwischen Bambuszweigen.
Junger Nachtreiher auf einem Treibholzast über stillem Donauwasser, umgeben von verzweigten Wurzeln.
Nutria am Donauufer auf moosbewachsener Steinmauer, im Schilf zwischen Steinen und Wasser.

Hochwasserschutz, ja — aber anders.

Wir sind nicht gegen Hochwasserschutz.
Wir sind nur für einen besseren,
einen anderen!

Hochwasserschutz ist nötig, zumal in Zeiten des Klimawandels. Aber statt des starren, betonierten, technischen Maximalbaus wäre einer mit Augenmaß gefragt. Einer, der nachhaltig, naturverträglich und denkmalschonend verfährt. Einer, der zwischen Straßen und Arealen unterscheidet. Einer, der nicht zuerst das zerstört, was er zu schützen vorgibt. Einer, der mit der Natur baut — nicht gegen sie.

01

Objektschutz konsequent prüfen

Was die Neubauten an der Nordseite schon haben, lässt sich auch für die Altbauten der Südseite entwickeln. Mobile Dammbalken, Rückstausicherung, Dichtschottungen pro Gebäude. An Baudenkmalen bundesweit geübte Praxis.

03

Wenn Klimawandel, dann klimakonsequent

Der Klimawandel taugt als Argument. Die Konsequenzen nicht. Der Plan beruft sich auf den Klimawandel — und fällt 127 Bäume, versiegelt Flächen, baut Mauern und „technische Anlagen" im Grün. Konsequent wäre das Gegenteil: erhalten, was kühlt; bewahren, was speichert; nicht vergrößern, was belastet. Klimaanpassung ist nicht eine Frage der Mauerhöhe — sie ist eine Frage der Richtung.

02

Wasser zurückhalten, wo es entsteht

Nicht erst dort, wo es ankommt. Retentionsflächen, Entsiegelung, Rückhalt im Einzugsgebiet. Das nützt nicht nur den Donauinseln, sondern allen Donauanliegern flussabwärts — und wirkt dort, wo Mauern nicht hinreichen.

04

Gesamtprogramm statt Einzelstück

Was am Unteren Wöhrd entschieden wird, prägt den ganzen Donau-Korridor. Oberer Wöhrd, Stadtamhof samt Grieser Spitz — alles beliebte Erholungsgebiete und zusammen eine grüne Lunge der Stadt! Zusammen über 110 Mio. €. Eine Dimensionierung, die nur einen Abschnitt isoliert plant, ist keine.

Lieber einmal in hundert Jahren überschwemmt werden, als hundert Jahre hinter einer Mauer leben müssen.
Bürgerstimme · Regensburger Hochwasserschutz-Diskussion 1987
Filmdokument · BR · 1986

„Die Regensburger Donauinseln"

Ein Film von Dieter Wieland, Reihe Unter unserem Himmel.

Vier Jahrzehnte vor dem heutigen Plan zeigt Wieland die Inseln — und warnt vor genau jenen Eingriffen, die nun bevorstehen.

In der ARD-Mediathek ansehen
Herbstliche Allee am Donauufer in Regensburg: Paar auf einer Bank unter goldgelb gefärbten Bäumen, Laubteppich am Boden, im Hintergrund die Altstadtsilhouette.
Herbstlich gefärbte Bäume am Beschlächt zwischen Oberem und Unterem Wöhrd, kleine Holzhütte und Donau mit Schiffsanlegestelle im Hintergrund.
Begrünte Donauinsel beim Wöhrd in Regensburg: Kiesufer, hohes Frühlingsgras und alte, ausladende Bäume vor strahlend blauem Himmel.

Stimmen.

Vom Wöhrd, aus der Fachwelt,
aus der Stadt.

Wir sind Anwohner:innen der Inseln, Eigentümer:innen, Architekt:innen, Jurist:innen, Naturkundige, Denkmalpfleger:innen — und Bürger:innen dieser Stadt, denen die Donauinseln am Herzen liegen. Überparteilich, gemeinnützig, konkret. Wir vertreten keine Partei, wir vertreten eine Sache: einen Hochwasserschutz mit Augenmaß.

Es entsteht erneut der Eindruck, dass mit großem technischem Aufwand versucht wird, Naturprozesse zu kontrollieren, anstatt sich ihnen intelligent anzupassen. Eine tiefreichende Untergrundabdichtung schafft dauerhaft künstliche Verhältnisse und birgt ein erhebliches Risiko neuer, dauerhafter Probleme — Setzungen, Feuchteschäden und Substanzverlust, um ein selten auftretendes Hochwasserszenario abzudecken. Ein solcher Eingriff ist weder nachhaltig noch verhältnismäßig.

Florian Gebauer Architekt, Anwohner seit 30 Jahren

Die geplanten Vorhaben an den drei Donauinseln stellen wohl den brachialsten Eingriff in den altstädtischen Kernzonen Regensburgs seit den Überlegungen für eine Großstraßenkreuzung nahe des Domplatzes dar, wie sie in den Verkehrsplanungen um 1970 vorgesehen war. Hier wie dort haben wir den Auswuchs technokratischen Machbarkeitswahns, der heute doch eigentlich überwunden sein sollte. Und in unserem Fall liegt in ihm noch eine ausgesprochene Tragik: Denn was man mit den HWS-Planungen an Inselleben zu schützen vorgibt, wird gründlich zerstört!

Bernhard Löffler Professor für bayerische Landesgeschichte

Aus naturschutzfachlicher Sicht sticht vor allem der erhebliche Verlust an wertgebendem Baumbestand ins Auge. Die Bäume am Unteren Wöhrd haben durch ihre Lage an der Donau eine besondere Funktion für Klimaschutz, Freizeitgestaltung und Stadtbild, zumal sie teilweise in unmittelbarer Sichtbeziehung zum Weltkulturerbe stehen. Selbst wenn die Baumfällungen aus technischer Sicht notwendig wären, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit der technischen Lösung selbst. Der massive Eingriff mit langwieriger Bauphase unter Verwendung von schwerem Gerät wird nur eine sehr lokale Wirkung entfalten — nämlich einen Schutz der Gebäude am westlichen Unteren Wöhrd — und immense Kosten verursachen. Der BN fordert seit Langem, den Hochwasserschutz weniger kleinteilig zu denken, zumal lokale Verbesserungen an einer Stelle meist mit Verschlechterungen andernorts verbunden sind. Stattdessen sollte man dem Fluss in seinem gesamten Verlauf größere Ausweichmöglichkeiten in die Fläche ermöglichen. Selbst der Untere Wöhrd könnte dabei seinen Beitrag leisten: Durch Bodenabtrag im Bereich des aktuellen Großparkplatzes und vermutlich auch auf Inselflächen östlich der Nibelungenbrücke könnte man zusätzlichen Retentionsraum schaffen. Die ökologische Wertigkeit sowie die Aufenthaltsqualität ließen sich dabei ohne großen Aufwand zusätzlich erhöhen.

Albrecht Muscholl-Silberhorn Bund Naturschutz

FAQ

Häufige Einwände —
und was wir dazu sagen.

In Gesprächen auf der Straße, am Gartenzaun und im Familien- und Bekanntenkreis kommen oft ähnliche Fragen auf. Fünf davon — und warum sie uns nicht umstimmen.

Die Gefahren des Klimawandels sind real. Was 2021 im Ahrtal geschah, ist eingebrannt. Aber das Donautal in Regensburg und das Ahrtal sind hydrologisch zwei verschiedene Welten. Das Ahrtal ist ein Kerbtal: enges V-Profil, steile Hänge, Abflussspitzen in wenigen Stunden. Die Donau in Regensburg fließt durch ein breites Sohlental — flach, weit, mit der Vorwarnzeit, die daraus folgt: rund 48 Stunden, so steht es in den Planunterlagen des Vorhabensträgers selbst. Das ist die Zeit, in der geordnete Evakuierung möglich ist — und die der Plan ab HW50 auch im Endzustand mit fertiger Hochwasserschutzmauer vorsieht.

Die Maximalmauer ersetzt Evakuierung nicht — sie hebt nur die Schwelle, ab der Wasser ins Haus läuft. Deshalb sagen wir nicht „keine Mauer". Wir sagen: eine andere, differenzierte.

Mehr dazu in „Verhältnismäßigkeit" .

Der neue 80/20-Schlüssel (Freistaat 80 %, Kommune 20 %) ist eine Entlastung — keine Frage. Aber rechtfertigt eine günstigere Finanzierung das, was gebaut wird? Drei Dinge lässt der neue Schlüssel unberührt:

Der Betrieb — noch nicht gerechnet. Was der laufende Unterhalt am Ende kostet, sei „erst im Zuge der Ausführungsplanung klar", so der Vorhabensträger im Stadtrat. Die Stadt soll ein System übernehmen, dessen Betriebskosten noch niemand kennt — und das unabhängig vom Förderschlüssel zu 100 % bei der Stadt.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bleibt schlecht — egal wer zahlt. Mindestens 55 Millionen Euro Baukosten für einen Abschnitt — plus die noch unbekannten Betriebskosten, die zu 100 % bei der Stadt liegen. Geschätzter Schaden, den der Plan über 100 Jahre abwenden soll: 50–75 Millionen. Der Förderschlüssel verschiebt nur, wer die Rechnung bekommt — nicht, was verbaut wird.

Hinter Abschnitt H stehen noch siebzehn weitere. Allein Abschnitt H kostet damit mehr als alle zehn bisher fertigen Hochwasserschutz-Abschnitte zusammen. Dazu kommen Oberer Wöhrd (ca. 46 Mio.) und Stadtamhof (ca. 9 Mio.) — zusammen über 110 Millionen Euro im Donau-Korridor um die Inseln. Auch zwanzig Prozent davon sind eine reale Zahl.

Mehr dazu in „Kosten und Kosten-Nutzen" und „Dominoeffekt" .

Die HW100-Schwelle hat einen Sinn: Sie kanalisiert Fördermittel auf einen einheitlichen Standard und verhindert, dass jede Kommune für jede Klein-Maßnahme staatliches Geld bekommt. „Im Regelfall werden Hochwasserschutzanlagen auf ein sogenanntes HQ100-Ereignis bemessen" — so das Bayerische Landesamt für Umwelt. An den meisten bayerischen Gewässern ist das eine sinnvolle Regel.

An einer bewohnten Welterbe-Insel wie dem Unteren Wöhrd wirkt dieselbe Schwelle aber als Einbahnstraße. Eine kleinere, differenziertere Variante — ein abgestuftes Schutzniveau plus konsequenter Objektschutz an den Altbauten der Südseite, plus mobile Elemente, plus geordnete Evakuierung — steht nicht zur Wahl, weil der Freistaat sie nicht mitfinanziert.

Was hier nicht passt, ist nicht der Schutz. Was hier nicht passt, ist die fehlende Zwischenstufe — die Möglichkeit, das Schutzniveau an hydrologische Lage und Welterbestatus differenziert anzupassen, ohne den Förderzugang zu verlieren. Und das erklärt strukturell auch, warum die rechtlich vorgeschriebene Alternativenprüfung am Unteren Wöhrd nicht ernsthaft stattfand: Was nicht förderfähig ist, kommt im Planverfahren erst gar nicht ins Spiel.

Mehr dazu in „Verhältnismäßigkeit" und „Fehlende Alternativenprüfung" .

Die Planer sind Fachleute, daran zweifelt niemand. Das Planfeststellungsverfahren ist das Prüfverfahren. Einwendungen sind nicht Widerstand gegen die Prüfung — sie sind der gesetzlich vorgesehene Weg, auf dem die Prüfung stattfindet. Ohne Einwendungen fehlt das Korrektiv von außen.

Und genau dort hat das Verfahren eine Lücke: Die gesetzlich vorgeschriebene Alternativenprüfung (UVPG, WHG, VwVfG) ist nicht ergebnisoffen geführt worden. Der stärkste Beleg steht im Plan selbst — Objektschutz ist faktisch Teil der Planung, nur dort, wo er schon da war : Nordseite-Neubauten mit HW100-Bauauflagen werden in die Schutzlinie integriert, für die Altbauten der Südseite ohne diese Auflage wurde dieselbe Prüfung nicht entwickelt.

Die Frage ist also nicht, ob die Planer gründlich gerechnet haben. Die Frage ist, welche Alternativen sie gar nicht erst gerechnet haben.

Mehr dazu in „Fehlende Alternativenprüfung" .

Früher wäre besser gewesen — das stimmt. Aber die formelle Öffentlichkeit beginnt nicht bei der ersten Fachklausur im Amt. Sie beginnt bei der Planfeststellungs-Auslegung, wenn die verbindlichen Unterlagen öffentlich sind und Einwendungen rechtskräftig erhoben werden können. Das ist der gesetzlich vorgesehene Moment — genau jetzt.

Und dieser Moment war: 179 Dateien, 1,59 Gigabyte, zwei Monate Frist, über die Weihnachtsfeiertage. Wer diese Menge als Laie ernsthaft geprüft hat, hat entweder Urlaub geopfert oder auf Schlaf verzichtet. Die formellen Hürden für Bürgerbeteiligung sind so hoch, dass sie faktisch wie ein Filter wirken. Dass dennoch 57 Einwendungen und 25 Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingegangen sind, spricht für sich.

Und dieser Moment war im Januar — als er formell möglich war. Weil Einwendungen erst auf die Auslegung juristisch Gewicht haben.

Mehr dazu in „Verfahren und Information" .

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